…weil es irgendwo irgend jemandem genauso geht..
Die letzten Tage waren schwerer, als ich gedacht hatte – die Stille in der Stadt, der Heiligabend allein zu Haus – irgendwie hatte ich es mir anders vorgestellt. Ich hab gedacht, dass ich damit umgehen kann, schließlich bin ich kein besonders großer Weihnachtsfan. Allerdings bin ich bei anderen Feiertagen wie Ostern oder meinem Geburtstag ähnlich unemotional ausgerichtet. In all den Jahren hab ich diese Festivitäten des Nachwuchses wegen natürlich trotzdem zelebriert, ich persönlich hätte das nicht gebraucht. Das „warum“ ist mir erst jetzt so richtig bewusst geworden. An Feiertagen gibt es für mich nicht so viele Möglichkeiten, mich abzulenken – die Kaufhäuser sind geschlossen und meine Freunde bzw. die restlichen Familienmitglieder sind beschäftigt. Außerdem möchte ich mich anderen an solchen Tagen nicht unbedingt aufdrängen. Normalerweise ist der Nachwuchs im Haus, wir spielen Gesellschaftsspiele oder schauen einen Film, doch dieses Jahr war ich nach der Bescherung allein. Natürlich hab ich die üblichen Mechanismen angeworfen: Onlinespiele gespielt, Filme geschaut, ein Glas Wein getrunken. Doch es nützte nichts, irgendwann kamen die Gedanken, die ich die letzten Monate versucht habe zu verdrängen. Der Nachwuchs wird immer selbstständiger, geht seinen eigenen Weg und das ist vollkommen richtig so. Ich bin stolz auf diesen großartig Jugendlichen, der er inzwischen geworden ist und lasse ihn ziehen, wann immer er möchte. Dabei wird mir dann immer wieder bewusst, dass ich mich in manchen Momenten recht einsam fühle. Seit Jahren bin ich Single und ich bin auch gar nicht so stark, wie alle denken. Mir ist klar, dass ich Familie und Freunde hab und ich weiß auch, dass sie immer für mich da wären, aber schlussendlich wartet zu Hause niemand auf mich – nur Stille. Da ist niemand, der mich in den Arm nimmt, wenn ich mal eine starke Schulter bräuchte, niemand mit dem ich Freud und Leid teilen kann und niemand, der mich auf diese Art liebt. So oft ich das auch überspielen kann, manchmal tut es weh. Fragen kommen auf, warum ich niemanden finde, warum mein Herz immer wieder gebrochen wurde und was ich falsch mache. Dann laufen Tränen und das Herz wird schwer. Ich weiß, dass es solche Momente auch in Zukunft geben wird und es ist völlig okay, traurig zu sein, sich einsam zu fühlen oder Schwäche zu zeigen. So bin ich nun mal und wenn ich mich selbst nicht lieben würde, wie sollte es dann je jemand anderes können…

In der Einsamkeit lernt man, sich selbst zuzuhören…
Albert Schweitzer