..weil man tanzen sollte, als würde niemand zuschauen.
Ich bin schon oft aus dem Gleichgewicht geraten – nicht nur im wörtlichen Sinn, sondern im Leben, im Dazwischen, in dem Versuch, irgendwo hineinzupassen. Schon früh wurde mir gesagt, dass ich anders bin: nicht wie die anderen, nicht gerade, nicht passend. Lange wollte ich das nicht hören. Stattdessen habe ich geglaubt, Anderssein sei ein Fehler, etwas, das man korrigieren, verstecken oder zumindest aushalten müsse. Also habe ich versucht, den Takt der anderen zu treffen. Ich habe mitgemacht, mitgedacht, mitgelitten, obwohl sich vieles in mir falsch angefühlt hat. Heute weiß ich, dass dieses Anderssein kein Makel ist. Es ist ein Teil von mir, den ich nicht länger wegdrücken muss. Wege, die nicht gerade verlaufen, führen nicht zwangsläufig in die Irre – sie führen einfach woanders hin. Es gab Rückschläge, Momente des Zweifelns und Neuanfangs. Ich bin weitergegangen, nicht stärker im klassischen Sinn, aber ehrlicher, weicher und klarer. Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass ich in keine Schublade passen möchte: weder zu den Starken noch zu den Zerbrechlichen, weder zu den Angepassten noch zu den Rebellen. Ich will nicht marschieren, nicht mitziehen und nicht kämpfen, nur um dazuzugehören. Ich möchte durchs Leben tanzen – frei, leicht und ehrlich. Mit einem klaren Verstand, der weiß, dass nicht alles einfach ist, und mit einer Hoffnung im Herzen, die sich nicht abtrainieren lässt. Ich will einfach ich sein, mit meinen Umwegen, meinem Stolpern, meinem Lachen zur falschen Zeit und meinem Ernst, wenn andere längst weitergezogen sind. Ich glaube an Echtheit, an Haltung ohne Lautstärke und an Liebe mit Rückgrat. Vielleicht bin ich genau deshalb ein hoffnungsloser Optimist: weil ich das Dunkle kenne und mich dennoch immer wieder für das Licht entscheide. „Wer keine Träume hat, ist kein Realist“ – dieser Satz begleitet mich, weil er mich daran erinnert, dass Realität ohne Hoffnung nur Verwaltung ist, aber kein Leben. Ich bin kein Soldat. Ich war es nie. Ich bin ein Tänzer, auch wenn ich mir das lange nicht erlaubt habe. Heute ist es in Ordnung, anders zu gehen, anders zu fühlen und anders zu glauben. Denn ich habe verstanden, dass Normalität kein Ziel ist. Ich bin ein Tänzer – manchmal unsicher, manchmal mutig, manchmal stolpernd, aber immer in Bewegung und vielleicht ist genau das mein Weg.

Sei du selbst; alle anderen gibt es schon.
Oscar Wilde