Schneeflöckchen, Weißröckchen…

…wenn der Winter kommt und die Solidarität verschwindet.

Es hat geschneit und was für viele, vor allem in den höher liegenden Regionen, normal ist, ist für uns Flachlandmenschen eine absolute Sensation. Ganze 30 cm Neuschnee sind gefallen und haben unsere Stadt ins Chaos gestürzt. Normalerweise schaffen es vielleicht mal 10 cm Schnee in unsere Region und selbst das war in den vergangenen Jahren sehr selten der Fall. Der öffentliche Nahverkehr stand fast zwei Tage still, ehe man mit einem Notfall-Fahrplan langsam wieder Anschluss fand. Viele Menschen sind teilweise über eine Stunde zur Arbeit gelaufen, weil auch der Winterdienst mit der Beräumung der Straßen nicht hinterher kam. Auch jetzt, eine Woche später, ist bei uns in der Straße nichts geräumt, obwohl hier eine Kindertagesstätte ansässig ist. Ich selbst habe mich bis gestern nicht getraut, das Auto zu benutzen. Einerseits weil ich feststellen musste, dass mich die Straßenverhältnisse sehr an jene erinnert haben, die vorherrschten, als ich mit dem Nachwuchs auf der Rückbank einen Abflug ins Feld gemacht hab und andererseits, weil der Winterdienst mehrere Tage gebraucht hat um die Wege frei zu machen. Natürlich waren wir in der Zeit nicht untätig und haben neben unserem Auto auch den Gehweg zu unserem Mehrfamilienhaus beräumt, anderen beim Ausbuddeln ihrer Gefährte geholfen und Parkplätze von den Schneemassen befreit, sodass es die, die unterwegs waren nach der Arbeit nicht noch tun mussten. In der ganzen Woche haben wir uns täglich bei klirrender Kälte mit Schippe und Eimer bewaffnet und obwohl in unserer Straße noch viele anderen Menschen wohnen, war die Unterstützung eher mau. Zwei ältere Herren aus unserem Eingang waren fleißig und eine Dame kam noch, als sie uns aus dem Fenster beobachtete, um ihr Auto zu befreien. Klar war für uns auch, dass wir den Schnee nicht irgendwo lassen, sondern wir haben ihn auf ein umzäuntes Wiesenstück verfrachtet, da er dort maximal den Krabbelkäfern als Hindernis im Weg liegt. Im Gegensatz dazu konnte man beobachten, dass andere Menschen es eben anders machen und die meisten nur an sich denken. Was der eine vor oder hinter seinem Auto wegschippte, warf er dem Nebenmann einfach vor das Auto und um ja nicht zu viel Kraft zu verschwenden, schaffte man die restlichen Massen grade noch bis zum Gehweg oder räumte Parkflächen zu. Schlussendlich parkten einige einfach da, wo es ihnen passte, obwohl dort normalerweise keine Parkplätze existieren. Für mich ist das bezeichnend egoistisch und spiegelt wieder, wie sich die Gesellschaft an manchen Stellen verändert hat. Die älteren Menschen berichteten mir durchweg, dass jeder mit der Schippe in der Hand geholfen hat, als 1978/1979 der Schnee die Region regierte. Gut vierzig Jahre später ist von der Solidarität nicht mehr viel zu sehen. In den Medien konnte man wunderbar nachlesen, wie viele über den Winterdienst schimpften und dem Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs Versagen vorwarfen. Ich habe dann irgendwann das Handy weggelegt, weil ich diese Negativität nicht brauche. Für mich zählt gesunder Menschenverstand, Empathie und Gemeinschaft noch etwas. In dieser Ausnahmesituation war es selbstverständlich, nicht nur an mich zu denken sondern bspw. an meine Nachbarn, die eben nicht mehr die jüngsten sind und trotzdem gern unfallfrei zum Einkaufsladen in der nächsten Straße gehen wollten. Dem Nachwuchs brauche ich so etwas zum Glück nicht erklären, denn er versteht, was ich meine und hilft ebenso dort, wo er kann. Wir schimpfen nicht über andere, sondern gehen los und versuchen, die Welt ein wenig besser zu machen. Was wäre es bloß für eine Welt, wenn jeder das versuchen würde….

Photo by Simon Berger on Pexels.com

Jeder möchte die Welt verbessern und jeder könnte es auch, wenn er nur bei sich selbst anfangen wollte.

Karl Heinrich Waggerl

2 Kommentare zu „Schneeflöckchen, Weißröckchen…

  1. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Das war bei uns nicht anders, leider und zum Glück. Denn die Menschen die sich solidarisch zeigen fallen leider sehr positiv auf.

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