..weil Wachstum dort beginnt, wo die Komfortzone endet.
Ich dachte lange, Mut würde sich anders anfühlen. Größer vielleicht. Klarer. So ein Moment, in dem man genau weiß, was zu tun ist, ohne zu zögern. Stattdessen fühlt es sich oft leise an. Unsicher. Fast so, als würde man sich selbst beim Wackeln zusehen. Da ist dieser Moment, kurz bevor man etwas tut, das außerhalb der eigenen Gewohnheit liegt. Kein dramatischer Wendepunkt, eher ein inneres Zögern. Ein Abwägen. Ein „Ich könnte auch einfach wieder umdrehen“. Und genau darin liegt etwas Ehrliches, weil es nichts beschönigt. Weil es zeigt, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern sich selbst mitzunehmen, obwohl sie da ist. Ich habe gemerkt, wie oft ich mich in meinem Leben zurückgenommen habe, nicht aus fehlendem Wunsch, sondern aus Angst vor dem, was passieren könnte. Vor Blicken, vor Bewertungen, vor diesem leisen Gefühl, nicht ganz dazuzugehören. Und irgendwann wurde daraus eine Gewohnheit, die sich fast wie Sicherheit angefühlt hat. Menschenmengen und ich haben dabei in den letzten Jahren keine besonders harmonische Beziehung geführt. Zu laut, zu viel, zu viele Möglichkeiten, sich fehl am Platz zu fühlen. Doch in letzter Zeit verschiebt sich etwas. Nicht laut, nicht plötzlich. Eher wie ein Gedanke, der sich immer wieder einschleicht: Vielleicht geht es gar nicht darum, sich komplett zu verändern. Vielleicht reicht es, einen Schritt zu gehen und zu schauen, was passiert. Und dann steht man da, mitten in einer Situation, die sich noch vor Kurzem zu groß angefühlt hätte und merkt: Es passiert gar nichts Dramatisches. Die Welt schaut nicht plötzlich genauer hin. Die Menschen sind mit sich selbst beschäftigt. Und die eigene Angst, die eben noch so präsent war, wird auf einmal stiller. Nicht, weil sie verschwunden ist, sondern weil etwas anderes daneben stehen darf. So ein ruhiger Gedanke, fast unscheinbar: „Es ist okay, dass ich hier bin“ und vielleicht ist das der Moment, in dem sich etwas verändert. Nicht nach außen sichtbar, nicht messbar, aber spürbar. Ein kleines Stück mehr bei sich selbst. Ein kleines Stück weniger abhängig davon, wie es wirkt oder ankommt. Ich beginne zu verstehen, dass Selbstwert nichts ist, das man sich einmal erarbeitet und dann behält. Es entsteht in diesen leisen Momenten, in denen man sich nicht zurückzieht, obwohl es leichter wäre. In denen man nicht perfekt ist, nicht besonders mutig wirkt, aber trotzdem bleibt. Und manchmal, ganz am Ende, ist da dieses Gefühl, das sich kaum greifen lässt. Kein lauter Stolz, eher etwas Ruhiges, Warmes. So als würde man sich selbst ein Stück näher kommen. Als hätte man sich nicht überwunden, sondern eher abgeholt. Vielleicht ist das Mut. Nicht das große Ganze. Sondern dieser eine Schritt, bei dem man sich selbst nicht zurücklässt…

Manchmal zeigt sich Stärke darin, etwas nicht mehr zu vermeiden.
Unbekannt