Das beste Blind Date meines Lebens…

…und wie es ist, plötzlich Verantwortung für jemand anderen zu übernehmen.

Ich denke, dass beste Blind Date meines Lebens hatte ich in einem Winter vor vielen Jahren, als ich dem Nachwuchs zum ersten Mal in die Augen blickte.  Tage zuvor hatte sich noch wahnsinnig viel Panik breit gemacht, weil ich realisierte, dass es nicht mehr lange dauern würde bis zu unserem ersten Treffen und ich nicht wusste, ob ich der Verantwortung gewachsen bin. In meinem Umfeld hatten damals noch nicht viele ein Kind und ich hatte ja keine Erfahrungen. Mit dem ersten Blick auf das kleine Bündel in meinem Arm, wusste ich jedoch, dass ich mein Bestes geben würde. Erst mit der Zeit stellte ich fest, was das wirklich bedeuten sollte. Im ersten Moment erzählen einem die meisten Mütter nämlich immer nur die tollen Dinge. Sie sprechen von den Glücksgefühlen, die das erste Brabbeln auslösen und der Liebe die man empfindet. Dass nebenher dein Körper ruiniert wird und deine Nerven drauf gehen, behalten die meisten jedoch für sich. Hat man die Schwangerschaft problemlos überstanden, ist die Geburt das erste einschneidende Erlebnis auf einer sehr langen Berg-und-Tal-Fahrt. Da ich keine Teilnarkose bekommen konnte, hieß es „Augen zu und durch“ und ich hätte am liebsten Köpfe rollen lassen. Nach diesem Kraftakt kommt Mutter Natur das erste Mal mit ihren kleinen geheimen Tricks um die Ecke und lässt einem, beim Blick auf dieses kleine nackte Wesen, die vorangegangenen Stunden zumindest wie einen Film erscheinen.  Ein paar Tage später, nach der Ankunft zu Hause, ging jedoch das größte Abenteuer meines Lebens los. Da stand ich nun, mit diesem kleinen Wesen und wollte es nicht kaputt machen. Manchmal jedoch schrie es einfach so und ich gestehe, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, was genau das Problem war, weil ich keine dieser gesegneten Menschen war, die den Unterschied zwischen einem Hunger-Schrei und einem Müde-Schrei gehört haben. Mutter Naturs zweiter kleiner Trick ist es jedoch, den Frauen einen gewissen intuitiven Fahrplan mitzugeben. Füttern, Wickeln, Kuscheln waren in der Regel die drei Maßnahmen, die es brauchte, um dem Schreien ein Ende zu bereiten – auch nachts um 3Uhr. An Durchschlafen war die folgenden Monate nicht zu denken und wenn ich heute zurückblicke, bin ich erstaunt darüber, wie fit und wach ich trotzdem jeden Tag war. Es stellte sich irgendwann eine Routine ein, die Sorgen, den Nachwuchs kaputt zu machen, wurden weniger und die Nächte irgendwann ruhiger. Vor allem im ersten Jahr, konnte man zusehen, wie sehr sich die Welt verändert und aus einem schreienden, zappelnden Baby ein aufrecht gehender, brabbelnder Nachwuchs wurde. Die Entwicklung ging rasant vorwärts: krabbeln, laufen, brabbeln, sprechen und noch immer klingelt in meinen Ohren der Satz meiner Mama: „Die Zeit vergeht so schnell!“. Nun, Jahre später, blicke ich zurück und weiß, wie recht sie damit hatte. Wir hatten Höhen und Tiefen, haben den Blick für die kleinen Dinge wieder geschärft, die Tränen bei der ersten blutenden Schramme getrocknet und den dritten Cut versorgen lassen. Wir haben uns ausgekitzelt, bis wir vor Lachen umgefallen sind und uns gegenseitig gesagt, wie doof wir uns beim letzten Streit fanden. Wir haben Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt und, manchmal zu Leidwesen unserer Mitmenschen, das Diskutieren entdeckt. Wir hatten schlaflose Nächte, wenn das Fieber nicht runter gehen wollte oder ein Albtraum uns aufwachen lies und wir hatten Zeiten, in denen wir nicht besonders viel Geld hatten. Mir ist bewusst, dass die Ängste und Sorgen um den Nachwuchs nie wieder ganz verschwinden und wir mit jeder Lebensphase vor neue Herausforderungen gestellt werden. Es wird gute Tage geben und sicherlich auch weniger gute, aber schlussendlich – und das ist Mutter Naturs letzter Trick – wird die ehrlichste und reinste Form der Liebe immer die zwischen Mutter und Kind sein…

by Kathi Strophe

Nimm ein Kind an die Hand und lass Dich von ihm führen. Betrachte die Steine, die es aufhebt und höre zu, was es Dir erzählt. Zur Belohnung zeigt es Dir eine Welt, die Du längst vergessen hast…

Unbekannt

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