Lebenslauf – was bisher geschah…

..es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können.

Der Beginn eines neuen Lebenskapitels bringt manchmal zunächst einige unliebsame Momente mit sich. Bereits seit zwei Jahren war ich in der Gegend und nach dem Studium auf der Suche nach einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.  Der Nachwuchs hatte hier seinen Lebensmittelpunkt und ich wusste, dass ich beruflich wesentlich besser Fuß fassen könnte, wenn ich vorweise, dass nicht nur ich  bspw. bei Krankheit die Betreuung übernehme. Neben dieser kleinen Hürde, gab es noch andere zu überwinden. Wir wohnen nicht gerade in einer Metropole und die Stellenangebote lagen nicht wie Sand am Meer vor. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie das Verhältnis von geschriebenen Bewerbungen zu Gesprächseinladungen aussah. Recht schnell hatte ich gelernt, mit den Absagen umzugehen, weil ich davon absah, sie persönlich zu nehmen-motivierend waren sie natürlich trotzdem nicht. Die mir zugeteilte Betreuerin der hiesigen Arbeitsagentur empfahl mir sogar irgendwann, bezüglich des Nachwuchses nicht gleich im Anschreiben mit der Tür ins Haus zu fallen, allerdings gestaltete ich dies vorteilhaft und wollte von Beginn an mit offenen Karten spielen. Natürlich schrieb ich nicht, dass der Nachwuchs einem manchmal den letzten Nerv raubt und gelegentlich für schlafarme Nächte sorgt, sondern ich hob hervor, dadurch strukturiert und planvoll durch den Tag zu gehen und flexibel auf neue Herausforderungen reagieren zu können. Ich empfand es als wichtig, einem neuen, potentiellen Arbeitgeber ehrlich gegenüber zu treten und ich konnte durch meinen übermäßigen Optimismus eine 134cm große Hürde in einen wichtigen Baustein verwandeln. Mit der Zeit erhielt ich immer mehr Einladungen und vor allem in diesen Gesprächen stellte sich heraus, dass meine offene Art möglicherweise hinderliche Themen anzusprechen Anklang fand. Mit der Zeit routinisierten sich die Gespräche, meist wurden ähnliche Fragen gestellt und die Antworten wurden entsprechend angepasst. Von Vorteil ist natürlich, dass man sich im Internet belesen und sich vorbereiten kann. Man überlegt sich Stärken, Schwächen, Wünsche und Vorstellungen, die einen in ein annehmbares Licht rücken. Ich weiß noch, dass ich bei meinem ersten Gespräch wahnsinnig nervös war. Das besserte sich auch nicht, als der Fragensteller sich meinen Lebenslauf ansah und direkt sagte, dass ich ja gar nicht zu der Stelle passen würde – hätte einem ja vielleicht schon vorher auffallen können, immerhin hatte ich alle notwendigen Unterlagen vorab zugesandt. Einleuchtend ist sicherlich, dass dieses Gespräch nicht mehr aufzulockern ging. Es war ein steifer Schlagabtausch zwischen vorgefertigten Fragen und den ebenso vorgefertigten Antworten.  Nun ja, rückblickend betrachtet kann ich es als eine Erfahrung abhaken. Die nachfolgenden Gespräche verliefen deutlich freundlicher und ich merkte, dass ich immer selbstsicherer wurde. Auch wenn es mit der Stelle nicht klappte, konnte ich jedem Gespräch etwas Positives entnehmen und wurde so selbstbewusst, dass ich in meinem letzten Gespräch schlussendlich überzeugen konnte. Bereits bei der Ankunft dachte ich, dass ich nichts zu verlieren hab und war unglaublich entspannt. Es war eine freundliche Atmosphäre, aber es wurde auch nicht versucht Honig um den Bart zu schmieren. Relativ schnell wurde deutlich, dass ich nicht für die Stelle vorgesehen war, auf die ich mich beworben hatte, sondern, dass man mir aufgrund meines Anschreibens eine andere Stelle anbieten wollte. Wir gingen nicht durch einen Standard-Fragenkatalog und ich musste auch nicht in meiner vorgefertigten Antwortenkiste kramen, hatte aber aufgrund all der Erfahrungen so viel Selbstbewusstsein, dass ich antwortete, wie ich es für richtig hielt. Wenn ich zurück denke, gab es in diesem Gespräch genau eine Frage, die letzte Frage einer langen Reise, die bezeichnend für all das ist, was zuvor war: Was würden Sie in ihrem Leben ändern? Ich brauchte nicht lange zu überlegen und sagte „nichts“, auch wenn das in manchen Ohren überheblich klingt. Ich erklärte, dass es nicht nur gute Zeiten gab und die schlechten nicht einfach waren, aber dass mich die Summe all dieser Erfahrungen zu dem Menschen gemacht hat, der ich bin. Würde ich nun irgendetwas ändern, stünde ich vielleicht heute nicht so vor Ihnen..

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