Ja..Nein..Vielleicht…

..oder wie es ist, sich selbst zu finden.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, da wurden einem zwar schon Freiheiten zugestanden, aber man hatte definitiv Regeln zu befolgen. Menschen meiner Generation kennen den kausalen Zusammenhang zwischen den Füßen unter dem Tisch der Eltern und der freien Gestaltung des eigenen Lebens. Auch wissen Sie, wie durch Kekse und Krümel das Verständnis von freier Meinungsäußerung dargestellt wurde. Als Krümel habe ich natürlich immer versucht, das zu tun, was man von mir erwartete und meine Widerworte behielt ich lieber für mich. Ich wägte ab, ob ich meinen Unmut kundtun oder einfach machen sollte, was verlangt wurde  und oftmals entschied ich mich für den vermeintlich leichteren Weg. Mir war schon klar, dass nicht alles, was ich tat auch wirklich dem entsprach, was ich wollte, aber über die Jahre hatte ich gelernt, mich selbst zurück zu nehmen. Rückblickend betrachtet, war das nicht mal eine bewusste Entscheidung oder ein durchdachter Prozess, sondern ergab sich als Konsequenz aus allem Drumherum. Ständig hab ich an alles und jeden gedacht, hab den Nachwuchs gehütet, das Studium realisiert, Geld verdient um meinen monatlichen Beitrag zum Haushalt zusteuern zu können, den Kumpel beim Liebeskummer beigestanden, der Freundin beim Kochen geholfen, die Diplomarbeit geschrieben, das kranke Kind versorgt und sicherlich könnte ich jetzt noch eine halbe Seite lang ausführen, was ich alles zeitgleich gemacht habe. Meine Mitmenschen mochten mich unheimlich, weil sie wussten, dass man sich auf mich verlassen konnte und jeden unterstütze. Ich hab an alle gedacht – naja, nur nicht an mich. Je weiter die Zeit voran schritt, umso mehr spürte ich, wie ausgelaugt ich war und wie kurz meine eigenen Interessen kamen. Irgendwann kam ich an einen Punkt, da dachte ich „Wenn ich jetzt von dieser Welt gehen müsste, würde auf meinem Grabstein stehen, dass alle anderen mit mir zufrieden waren.“ und ich fragte mich, ob ich das wirklich wollen würde. Wo waren meine Wünsche, Träume und Visionen geblieben? Was ist aus meinen Interessen geworden? Wer kümmerte sich um mich? Ich entschied, dass ich mich nun erst mal um mich selbst kümmern müsste und hab angefangen, auch mal nein zu sagen. Wie sehr es mich erstaunte, dass das für meine Mitmenschen vollkommen ok war. Es war nicht schlimm, wenn ich mal nicht zuhören oder die 77. Extraaufgabe übernehmen konnte und meine Sorge, dass sich deshalb jemand von mir abwenden könnte, war vollkommen unbegründet. Ich lernte, dass es nicht schlimm gewesen wäre, wenn ich jemanden vergrault hätte, weil diese Person dann mich und meine Gesundheit eben nicht wertzuschätzen gewusst hätte. Je öfter ich für mich und meine Meinung einstand, umso mehr wuchs mein Selbstvertrauen, meine Mut und mein Selbstbewusstsein. Natürlich unterstütze ich meine Herzmenschen noch immer, wenn sie mich brauchen und ich habe immer ein offenes Ohr bzw. Auge für sie, aber inzwischen treibe ich diesen Wahnsinn nicht mehr für jedermann, bis ich umzufallen drohe. Ich merke, wenn mir etwas zu viel wird, kann viel klarer kommunizieren und gehe aus Situationen, die mir nicht gut tun. Mein Seelenwohl steht an erster Stelle und so wurde aus einem „Nein“ für meine Mitmenschen ein „Ja“ zu mir selbst…

Photo by Jenna Hamra on Pexels.com

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das gesunden Egoismus, aber heute weiß ich, das ist Selbstliebe.

Charlie Chaplin

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