Crash, boom, bang..

..wenn das Gehirn dir einen Streich spielt.

Ein paar Jahre ist es nun schon her, als ich einen der weniger guten Momente in meinem Leben hatte. Der Tag startete wirklich schön, denn ich machte mit meiner Schwester und dem Nachwuchs einem Ausflug. Es hatte geschneit und auch wenn das heutzutage ja schon fast einem Sechser im Lotto gleicht, empfand ich es damals als unproblematisch. Auf dem Rückweg jedoch war unsere eigentliche Strecke gesperrt und wir fuhren eine Umleitung. Es wurde langsam dunkel, doch wir hatten ja Licht und ich bezeichne mich noch immer als versierte Autofahrerin. Die Strecke war in Ordnung und die anderen umherfahrenden Menschen ebenso umsichtig, wie ich. Nur ein Autofahrer scherte hinter mir immer mal wieder aus und wirkte so, als wolle er, den Widrigkeiten zum Trotz, die vor ihm fahrenden drei Autos-inklusive meinem-überholen. Plötzlich irritierte mich das aufscheinende Licht im Seiten- und Rückspiegel so sehr, dass ich die Kontrolle über mein Auto verlor. Der anschließende Weg führte uns über die Gegenfahrbahn zwischen zwei Bäumen durch direkt aufs zugefrorene Feld. Im Rückspiegel sah ich vermeintlich den Nachwuchs mit dem Kopf gegen das Autodach schlagen, aber dieser verneinte sofort und sagte, dass alles in Ordnung sei. Wie automatisiert prüfte ich das Fahrzeug und rief die Pannenhilfe an. Zum Glück jobbte ich zu der Zeit neben dem Studium dort, ebenso wie mein Schwager, der ungefähr wusste, wo wir waren. An das Gespräch konnte ich mich danach nicht mehr erinnern, selbst wenn ich es versuchte. Das Auto war nicht so arg beschädigt und körperlich ging es allen gut. Wir mussten etwas warten und hatten in der Zwischenzeit viele Hilfsangebote anderer Autofahrer, sodass wir nie wirklich allein waren. Als der Pannendienst kam, schnitt er ein Blech ab, das herunter hing, prüfte noch mal kurz das Auto und zog mich zurück auf die Straße. Mit zitternden Händen und, rückblickend betrachtet wahrscheinlich auch noch immer unter Schock, fuhr ich die letzten dreißig Kilometer bis nach Hause. Ich setzte meine Schwester ab, brachte den Nachwuchs ins Bett und brach dann in Tränen aus. In den folgenden Wochen gab es Nächte, in denen ich kaum Schlaf fand, weil ich die Situation immer und immer wieder vor mir sah-vor allem, wie der Nachwuchs mit dem Kopf gegen die Decke schlug. Natürlich konnte das nicht sein, denn wir hatten einen Kindersitz und alle waren angeschnallt. Wiederholt versicherten mir alle Beteiligten, dass das, was ich meinte gesehen zu haben, nicht so passiert ist. Ich machte mir unendlich viele Vorwürfe, dass ich Menschen, die ich liebe in Gefahr gebracht hatte. Es hätte jemand auf der Gegenspur unterwegs sein können, wir hätten einen der beiden Bäume treffen oder uns überschlagen können, aber nichts davon war passiert. Alle waren unversehrt und außer einem kleinen Blechschaden, gab es nichts zu beanstanden. Dennoch fiel es mir nicht leicht mit diesem Moment umzugehen und ich versuchte die Erinnerungen zu verdrängen. Tagsüber klappte das auch ganz gut, nur nachts holte es mich ein, sodass ich mich schlussendlich bei einer psychologischen Beratung vorstellte. Ich kannte die, leider auch heute noch viel zu weit verbreitete, Meinung über Psychologen und ihren Nutzen, aber ich wollte, dass es mir besser geht. Natürlich gab es Leute, die den „Meisendoktor“ nicht sinnvoll fanden, doch ich brauchte die paar Gespräche mit einer außenstehenden Person, um diesen Moment zu verarbeiten. Ich verstand, dass mir mein Hirn einen kleinen Streich spielte und ich vermutlich nur aufgrund des hügeligen Feldes ein umherfliegendes Kind im Rückspiegel sah. Mit der Zeit konnte ich mich selbst reflektieren, hörte auf mir Vorwürfe zu machen und begann, das Positive aus dieser Situation mitzunehmen. Mir wurde bewusst, dass ich trotz der schockierenden Situation, einen klaren Kopf behalten hatte und dass es wirklich mutig war, sich der Angst gleich wieder zu stellen, indem ich weiterfuhr. Mir wurde auch bewusst, wie viel Glück wir eigentlich hatten und wie unendlich dankbar ich dafür sein kann…

Photo by Drew Rae on Pexels.com

Die Grundlage eines glücklichen Lebens:

Loslassen, was mich quält und Annehmen, was mir hilft…

Unbekannt

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