Ein anderes Gefühl von Schmerz..

…weil Schreiben besser ist als Schmerz.

Bereits in jungen Jahren erlebte ich Dinge, von denen andere ihr Leben lang kaum etwas hören. Ich trug geliebte Menschen zu Grabe – viel zu früh und viel zu oft, spürte den Verlust und wusste manchmal einfach nicht mit meinem Schmerz umzugehen. Wie sollte ich auch? Ich lernte ja grad erst, was Gefühle überhaupt sind. Bis zur Pubertät wusste ich noch nicht, wie sehr es das Herz zerreißt, wenn man jemanden verliert, wie schmerzhaft Verrat sein kann, wie verletzend die falsche Wort sind und was Gefühle mit einem machen. Ich lebte sorglos, hab gelacht, getanzt und nur geweint, wenn ich die Entscheidungen der Erwachsenen richtig blöd fand. Scheinbar über Nacht jedoch, veränderte sich alles und es prasselte so viel auf mich ein, dass ich oft genug gar nicht wusste, wo mir der Kopf stand – geschweige denn das Herz. So manches Mal fühlte ich mich überfordert und es hatte für mich den Anschein, als würde es nur mir so gehen. Damals sprach man selten über Gefühle, Gedanken und das verzwickte Chaos zwischen ihnen. Viel zu oft dachte ich, irgendwas würde mit mir nicht stimmen, wenn ich plötzlich Tränen in den Augen hatte, ohne überhaupt den Grund zu kennen. Schlussendlich hab ich viele Dinge mit mir selbst ausgemacht. Ich hab im Stillen geweint und wenn ich das Gefühl hatte im Strudel aus Angst, Wut, Schmerz und Trauer zu ertrinken, hab ich mich selbst verletzt, um zu spüren, dass ich noch da bin. Für mich war es ein Ventil – ein anderes Gefühl von Schmerz. Natürlich war mir bewusst, dass es sich dabei nicht um eine dauerhafte Problemlösungsstrategie handeln kann und so suchte ich immer wieder Wege, mir zu helfen. Ich begann, meine Gedanken und Gefühle aufzuschreiben, ließ meine Wut in Gedichten die Worte formen und zeichnete mit ihnen in Geschichten die verrücktesten Bilder. Unausgesprochenes notierte ich, denn auch wenn sie den Adressanten nie erreichen würden, merkte ich, wie mit jedem Wort die innere Spannung abfiel. Ich schrieb mir von der Seele, was ich nicht aussprechen konnte und alles, was von meinem selbstverletztenden Verhalten übrig blieb, waren die kleinen Narben auf der Haut. Sie erinnern mich noch immer an das Erlebte, aber sie definieren nicht meine Zukunft…

by Kathi Strophe

Wenn etwas leicht zu lesen ist, dann war es schwer zu schreiben…

Enrique Jardiel Poncela

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