Thirty Seconds to..

..oder auch: die kürzeste Verabredung meines Lebens.

Naja, mag es nicht 30 Sekunden gedauert haben, so war es doch recht kurz und ich berichte mit einem Lachen im Herzen: Ich hab mich getraut, also im übertragenden Sinn, denn von einer Eheschließung bin ich in etwa so weit entfernt, wie die Menschheit von der Besiedlung des Mars. Nach dem Dating-Fiasko des vergangenen Sommers und der dadurch verursachten Plattform-Pause, meldete ich mich wieder bei solch einer an. Auch wenn ich nicht ganz von dieser Art der Partnersuche überzeugt bin, dachte ich, dass Versuch klug machen würde. Nach den üblichen eindeutigen Anfragen und dem Ghosten, nach dem ersten Hallo, zeigte sich doch jemand auf der Bildfläche. Ein paar Sätze später stand die Verabredung und viel mehr wurde bis dahin dann auch nicht ausgetauscht. Mein Bauchgefühl sagte schon „mit dem stimmt irgendwas nicht“ und wäre ich ehrlich zu mir selbst gewesen, hätte ich spätestens da gewusst, dass mein Interesse sich in Grenzen hält. Nichtsdestotrotz fand ich mich pünktlich zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt ein und wurde von einer durchaus angenehmen Stimme begrüßt. Sogleich kamen wir ins Gespräch – was ich sonst so beim ersten Date machen, wieviel Leute ich über solche Plattfotmen bereits getroffen hätte und was mein schlimmstes Date war. Es blieb kaum Zeit zum Antworten, denn die nächsten Fragen standen schon bereit: ob ich wirklich auf der Suche bin, wie aktiv ich das ganze betreibe, was ich von einer Beziehung erwarte, wie der Gegenüber sein soll, was ich noch für Träume und Ziele im Leben habe, ob ich glücklich bin, ob ich Sport treibe, wie zufrieden ich mit meinem Äußeren wäre und selbst während ich versucht war zu antworten, fiel er mir ins Wort um weitere Fragen zu stellen. Ich kam gar nicht dazu, meinen Gegenüber kennenzulernen und Dinge zu erfahren, dich mich interessiert hätten, denn kaum losgegangen landeten wir wieder am Treffpunkt. Etwas irritiert fragte ich, in welche Richtung es nun ginge, woraufhin er erklärte, dass es für ihn nicht passt und er mir ein schönes Wochenende wünschte. Nicht mal eine halbe Stunde hat es gebraucht, mich in eine Schublade zu stecken und sie zu schließen. Und dafür hatte ich meine gute Jacke angezogen? Da ich vorab ein Parktiket für zwei Stunden zahlte und es für absolute Geldverschwendung gehalten hätte, wieder zu fahren, nutzte ich die Sonne für einen wunderbaren Spaziergang. Noch einen Moment dachte ich über das soeben erlebte nach. Kurz kam ich mir vor, wie nach einem schlecht gelaufenen Bewerbungsgespräch – so als hätte ich auf der innere Checkliste zu viele Kreuze an der falschen Stelle gehabt. Die Ehrlichkeit fand ich erfrischend, die Art und Weise jedoch etwas befremdlich. Mag ich das durchaus unemotional sehen weil ich wohl grad gar nicht so frei bin, wie ich sein sollte, gibt es Frauen, die wirklich interessiert gewesen wären. Ich denke, viele wären schockiert gewesen und hätten sich wohl gefragt, was genau sie falsch gemacht haben. Auch die Tatsache, dass jemand nicht mehr als ein paar Minuten investiert, um einen anderen Menschen kennenzulernen, mag für viele verletzend sein. Manch eine Dame wäre nach so einer Verabredung verunsichert, hätte Selbstzweifel und stünde einem potentiellen Neukandidaten wohl weniger offen gegenüber. Ob mein Gesprächspartner sich darüber im Klaren war, mag ich nicht zu beurteilen, aber Worte zeigen, was jemand gern wäre, Taten hingegen, was jemand wirklich ist…

by photograph_mit_herz

Bewerte Menschen nicht nach ihren Äußerlichkeiten. Es könnte sich ein reiches Herz unter einem billigen Mantel verbergen.

Unbekannt

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